10 ausdrucksstarke Fotos, die den Schrecken illegaler Abtreibungen erfassen

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10 ausdrucksstarke Fotos, die den Schrecken illegaler Abtreibungen erfassen


Laia Abril ist eine Multiplattform-Künstlerin, die sich in ihrer Arbeit mit zutiefst persönlichen und manchmal kontroversen Themen der Weiblichkeit und der Reproduktionsrechte auseinandersetzt. Abril setzt sich für einen offenen Diskurs über die Erfahrungen von Frauen weltweit ein. Dafür bringt sie Geschichten ans Licht, die oft im Verborgenen bleiben oder missverstanden werden.

Ihre Serie On Abortion nutzt Fotografie und Text, um wahre Geschichten zu erzählen, die davon handeln, wie Frauen im Lauf der Geschichte Abtreibungen erhalten haben, ohne dabei auf legale und sichere Methoden zugreifen zu können. Die Arbeit ist Teil eines größeren Kanons namens A History of Misogyny. BuzzFeed News sprach mit Laia Abril über ihre Recherche und ihr bald erscheinendes Buch On Abortion: And the Repercussions of Lack of Access.

Warnung: Einige der Bilder und Texte stellen grobe, ineffektive, illegale und gefährliche Methoden der Verhütung oder Abtreibung dar. Diese Methoden können lebensgefährlich sein und Schmerzen, dauerhafte Schäden, Blutungen und den Tod zur Folge haben. Informationen über sichere Schwangerschaftsabbrüche erhältst du zum Beispiel bei ProFamilia oder bei Familienplanung.de, einem Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Bruch des hippokratischen Eids


Laia Abril

Im Februar 2015 nahm eine 19-jährige schwangere Frau Abtreibungspillen in São Bernardo do Campo, Brasilien ein. Sie bekam Bauchschmerzen, also brachte ihre Tante sie ins Krankenhaus. Nachdem sie behandelt wurde, rief der Arzt die Polizei an und sagte, er würde den Fötus obduzieren, sollte sie die Abtreibung nicht gestehen. Sie wurde mit Handschellen an ihr Krankenhausbett gekettet und erst freigelassen, als sie rund 250 Euro Kaution zahlte.

Denunzierung durch Ärzte ist in Brasilien, Peru oder El Salvador nicht unüblich. Frauen, die wegen eines Abtreibungsversuches gemeldet werden, können wochen- oder monatelang im Krankenhaus behalten werden. Viele Ärzte behaupten, sie seien gesetzlich dazu verpflichtet, die Autoritäten zu kontaktieren, wenn sie eine Abtreibung vermuten, was im Gegensatz zu professionellen Kodexe der ärztlichen Schweigepflicht steht.

Dieses Projekt möchte die weltweiten Folgen von mangelndem Zugang zu Abtreibungen aufzeigen. Mit “mangelndem Zugang” meine ich nicht nur die Gesetzeslage, sondern auch die kostenlose und sichere Zugänglichkeit, die frei von Verurteilung ist. Sind diese Punkte nicht gewährleistet, sterben mehr als 47.000 Frauen jährlich und Tausende tragen physische oder emotionale Konsequenzen davon. Viele andere werden inhaftiert, vor Gericht gestellt, verfolgt und ihrer Freiheit beraubt, wozu auch die gezwungene Mutterschaft gehört. Die Bilder können nicht gelöst von ihren Texten betrachtet werden; ihre Geschichten helfen, eine konzeptuelle Karte zu erstellen, die Klarheit über diese so missverstandenen und vergessenen Geschichten schafft.

Obwohl die Bilder recht schlicht aussehen, sind die Geschichten dahinter brutal. Was passiert, kann nicht maskiert werden, aber ist gleichzeitig unsichtbar, unbequem und für die Opfer gefährlich zu offenbaren. Dennoch ist es extrem wichtig für mich, dass Leute wissen, was geschieht. Irgendwie zu sehen, was geschieht, und zu wissen, was die Folgen der Verweigerung dieser Rechte sind. Es hat direkte Folgen für die Leben tausender Menschen.

Diese Arbeit war für mich eine Angelegenheit tiefen, persönlichen Lernens. Ich wurde mit ethischen Fragen über das Leben konfrontiert, über die ich nie nachgedacht hatte. Ein Großteil meines Schaffens beruht darauf, dass Leute die Türen zu ihren dunkelsten Kammern öffnen sowie auf meiner eigenen Empathie und meiner Veranlagung, nicht zu verurteilen. Dennoch habe ich gelernt, dass man – auch wenn man es denkt – nie ganz frei von Verurteilung ist. Es war eine tiefgründige Reflexion über die essenziellen Fragen der menschlichen Existenz — Leben, Sterben und das Recht, entscheiden zu dürfen. Nichts ist jemals nur schwarz oder weiß.

Ein dreidimensionaler Querschnitt des Körpers, der eine Prozedur zeigt, die von Amateuren ausgeführt wird, die dazu nicht die richtigen Werkzeuge haben. An Orten, wo Abtreibungen illegal sind, neigen Frauen dazu, ihren Zustand so lange wie möglich zu ignorieren und verschwenden damit wertvolle Zeit. Illegale Abtreibungen werden durchschnittlich irgendwann im zweiten Trimester durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt muss ein Instrument durch den Mutterhals eingeführt werden, um die Fruchtblase zu zerstechen. Das verursacht Wehen und kann zur Ausstoßung des Embryos führen. Wegen mangelnder Alternativen müssen Frauen, die sich dieser gefährlichen Abtreibungsmethode unterziehen müssen, ernsten physischen Verletzungen oder sogar dem Tod ins Auge blicken.

Brühende Bäder, Zähne und Aberglaube

Ein brühendes Bad zu nehmen, scheint eine seit Generationen weitverbreitete Methode zu sein. Ein Sanskrit-Text aus dem 8. Jahrhundert empfiehlt, über einem Topf kochender Zwiebeln in die Hocke zu gehen. Das ist eine Technik, die auch von jüdischen Frauen aus Manhattans Lower Eastside in den früheren 1900ern angewendet wurde. Noch 1870 zogen einige Abtreiber ihren Patienten Zähne ohne Betäubung, weil man dachte, die Schmerzen und der Schock würden eine Fehlgeburt zur Folge haben. Plinius der Ältere (23 – 79 n. Chr.), Dioskurides (40 – 90 n. Chr.) und pseudogalenische Schriften erwähnen alle weitaus “abergläubischere” Abtreibungsmethoden, zum Beispiel ein Krähenei essen, sich von einem Hund beißen lassen oder das Überschreiten des Menstruationsblutes einer anderen Frau.

Die ersten Verhütungsmittel wurden typischerweise aus Wels- und Störblasen gemacht und bis ins 19. Jahrhundert benutzt. Gewaschene, aufgeteilte und getrocknete Lammdärme waren auch beliebt. Da keines der Materialien besonders elastisch ist, mussten solche frühen Kondome mit einem Band am Penis befestigt werden. Sie waren auch teuer. Nach jeder Benutzung wurden die Kondome gewaschen, vorsichtig getrocknet und mit Öl eingerieben, um Risse zu vermeiden.

Die Überquerung internationaler Grenzen

“Am 2. Januar 2015 reiste ich in die Slowakei, um mich einer Abtreibung zu unterziehen. Ich hatte zu viel Angst davor, alleine selbstgemachte Abtreibungspillen zu nehmen. Was, wenn etwas schiefgehen würde? Also beschloss ich, eine operative Abtreibung in einer ausländischen Klinik in Anspruch zu nehmen. Ich war aufgebracht darüber, dass ich mir Geld für die Prozedur ausleihen musste, und einsam und frustriert, weil ich keinem erzählen konnte, was geschah. Das schwerste war, meinem Freund gegenüberzutreten, der gegen Abtreibungen ist. Dennoch fühlte ich mich im Anschluss stärker und reifer.” — Marta, 29, Polen

Abtreibungen sind in fast allen EU-Ländern legal. Polen, Irland und Malta bilden die Ausnahme. In Polen sind Abtreibungen nur im Falle sexueller Übergriffe, ernster fetaler Deformationen oder lebensgefährlicher Umstände für die Mutter gestattet. Die offizielle Anzahl an durchgeführten Abtreibungen in diesem 38-Millionen-Einwohner-Land beträgt nur etwa 750 pro Jahr. Laut einer niederländischen Organisation für Abtreibungsrechte liegt die tatsächliche Zahl eher bei 240.000.

Mutter im Alter von neun Jahren

Im November 2015 brachte in Nicaragua die 9-jährige Inocencia einen kleinen Jungen zur Welt. Er war der Sohn ihres eigenen biologischen Vaters, der sie seit ihrem 7. Lebensjahr wiederholt vergewaltigt hatte. Viele Länder – darunter Paraguay, Guatemala, Honduras, Venezuela, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, Ägypten, der Iran und der Libanon – betrachten Vergewaltigung nicht als legitimen Grund, Abtreibungen zu gewähren, und erlauben sie nur, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist. Noch strenger sind Nicaragua, El Salvador, die Dominikanische Republik, Malta und der Vatikanstaat – die fünf Länder weltweit, welche Abtreibungen unter allen Voraussetzungen verbieten.

Illegales Instrumentarium

An Orten, wo Abtreibungen illegal sind, können bestimmte medizinische Instrumente sehr verdächtig wirken. Aus diesem Grund wurde bestimmter Bedarf nur selten für diese Prozedur entwickelt oder verkauft. Stattdessen greifen Doktoren, Straßenabtreiber und schwangere Frauen zu Alltagsgegenständen: Stricknadeln, Kleiderbügel, Blasenkatheter und viele andere Objekte, die lang genug sind, um an den Uterus zu gelangen.

Antike Kräuter und orale Mixturen

Die Infusion von Pflanzen wie Chipilin und Rauten werden von salvadorianischen Frauen benutzt, um während des ersten Trimesters abzutreiben. Es gab schon vor der Zeit Hippokrates’ eine endlos lange Liste oraler Arzneimittel, von denen man dachte, sie würden Fehlgeburten herbeiführen. Einige Beispiele wären: Klee in Kombination mit Weißwein, Spritzgurke, übelriechende Schwertlilie, Rot-Ulme, Bierhefe, Melone, Möhre, Aloe, Papaya, zermahlene Ameisen, Kamelhaar, Blei, Tollkirsche, Chinin und Granatapfel; alternativ eine Hungerkur.

Vorzeitige Abtreibung ist auf Grund der restriktiven Gesetze vorheriger Kollonialmächte in fast allen Ländern Afrikas verboten. Daher werden fast alle Abtreibungen von Laien durchgeführt oder von Frauen, die auf ihre eigenen Werkzeuge vertrauen. Zu diesem Zweck wird die Fruchtblase zwischen dem vierten und fünften Schwangerschaftsmonat durchstochen. Der darauffolgende Austritt des Fruchtwassers erzwingt in den folgenden zwei oder drei Tagen die Geburt eines toten Embryos. Scharfe Objekte wie Zweige oder lange Dornen werden dazu verwendet. Das Durchstechen der Fruchtblase führt oft zu Komplikationen wie schweren Blutungen und/oder lebensgefährlichen Infektionen. Mit ein wenig Glück schaffen es die Frauen rechtzeitig ins Krankenhaus, wo man sich um sie kümmern kann.

Lebenserhaltende Maschine

Am 27. November 2014 wurde eine Frau in ihren Zwanzigern mit Kopfschmerzen und Übelkeit ins Krankenhaus eingeliefert. Zwei Tage später stürzte die zweifache Mutter und wurde später unansprechbar aufgefunden. Am 9. Dezember wurde sie klinisch für hirntot erklärt. Sie war damals seit fünfzehn Wochen schwanger und wurde gegen den Willen ihrer Familie künstlich am Leben erhalten. Am 26. Dezember entschied der Irish High Court, dass die lebenserhaltende Maschine abgestellt werden durfte, nachdem sie hörten, dass der Fötus eine geringe Überlebenschance hatte.

In Irland sind Abtreibungen illegal, es sei denn sie ist das Resultat eines medizinischen Eingriffs, der das Leben der Mutter retten soll. Laut dem 8. Zusatzartikel der irischen Verfassung hat ein ungeborenes Kind dieselben Rechte wie seine Mutter.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.






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